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Dabei ist Angst hier fehl am Platz. Denn die Kontroverse bewirkt
das Umgekehrte. Der Berufsstand wird durch die Skepsis an der
Güte therapeutischer Leistungen und daraus resultierenden
Transparenz gestärkt. Die traditionelle Psychotherapie ist
gefordert, ihre eigene Undurchsichtigkeit einer qualitativen Evaluation
auszusetzen. Tatsache ist: Viel zu oft wird verschwiegen, was
sich im geschützten therapeutischen Raum und hinter dem Vorhang
therapeutischer Begegnung abspielt. Die Beschreibung erfolgreicher
Therapieverläufe in der Literatur ist dabei nicht geeignet,
die Garantie authentischer Wirksamkeit der Psychotherapie zu belegen.
Dabei sind vor allem die Patienten die Leidtragenden, da sie
nicht genügend über ihr Recht auf gesundes Misstrauen
aufgeklärt werden. Wer Zweifel an seinem Therapeuten hegt,
gilt als renitent. Welcher Patient wird heute dazu angeregt, akademisches
Wissen und psychologisches Handeln in Frage zu stellen? Der Vertrauensvorschuss,
den der Therapeut erwartet, widerspricht der Mündigkeit,
zu welcher sich der Klient entwickeln soll. Damit werden PsychotherapeutInnen
unnötig geschützt. Wie zahlreiche Berichte und die Erfahrung
belegen, genügt die Formulierung ethischer Richtlinien nicht,
um den adäquaten Umgang mit Patienten zu gewährleisten,
wenn es um das Recht auf gegenseitige Skepsis geht. Durch dieses
Manko büssen therapeutische Leistungen an Qualität ein.
Am dringlichsten stellt sich die Frage nach der Qualitätssicherung
in der Psychotherapie, wo wir es mit jungen Menschen und Kindern
zu tun haben. Die Möglichkeiten zur verbalen Äusserung
sind hier noch im Entstehen, und die Fähigkeit, Skepsis zu
äussern, ist erst im Ansatz vorhanden.
Es ist daher nicht zweckdienlich darauf zu pochen, dass an althergebrachten
Prinzipien psychotherapeutischen Vorgehens festgehalten wird.
Ganz im Gegenteil: Das Hinterfragen von Anforderungen an Ethik,
Sorgfalt und Aufsicht über therapeutische Leistungen stärkt
die Psychotherapie und entwickelt sie zeitgemäss. Bedenken
alleine reichen jedoch nicht aus. Psychotherapeutenkreise müssen
endlich neue Diskurse über die Frage nach der Qualitätssicherung
führen. Das Ethik-Pilot-Projekt der Schweizer Charta für
Psychotherapie setzt hier ein hoffnungsvolles Zeichen.
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